Round-Table: "Nahmobilität ist ein großes Thema"

Der Round Table „Neue Mobilität“ des Landessportbund Nordrhein-Westfalen soll dafür sorgen, dass sich Menschen in Städten wieder mehr bewegen.

Für mehr Bewegung in der Stadt braucht es eine  fahrrad- und fußgängerfreundliche Infrastruktur. Foto: picture-alliance
Für mehr Bewegung in der Stadt braucht es eine fahrrad- und fußgängerfreundliche Infrastruktur. Foto: picture-alliance

Anfang Juli hatte der LSB Nordrhein-Westfalen nach Essen eingeladen. Beim Round Table „Neue Mobilität“ soll dafür gesorgt werden, dass sich die Menschen in unseren Städten wieder mehr bewegen und dass dafür die Bedingungen seitens der Politik geschaffen werden. Aber es war schon bezeichnend: Die Mehrzahl der Gäste und Podiumsteilnehmer kam sitzend und körperlich bewegungslos per Auto, viele klagten zudem über die stressigen, langen Staus.

Die anderen waren tatsächlich per Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Sie machten Bekanntschaft damit, wie es ist, sich zum Feierabend über schmale Bürgersteige zu quälen oder auf zweispurigen Straßen an den Rand gedrängt zwischen Blechlawinen und Auspuffgasen unterwegs zu sein. Zwar ist das klima- und bewegungsfreundlich. Aber es macht definitiv keinen Spaß und es ist äußerst gefährlich. Verkehrswende geht anders.

Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen gab sich denn auch ernüchtert angesichts der Fakten. Nur acht Prozent der Essener sind per Fahrrad unterwegs. „Viele Menschen steigen ins Auto, um morgens zum Bäcker zu fahren, der nur ein paar hundert Meter entfernt ist, um dann dort einen Parkplatz zu suchen.“ Aber wer schwingt sich schon aufs Bike, wenn überall Gefahren lauern?

Was her muss, ist eine fahrrad- und fußgängerfreundliche Infrastruktur. So will Essen laut Kufen bis 2035 einen so genannten „Modalsplit“ (jeweils 25 Prozent Auto, Fahrrad, Fußgänger und Öffentlicher Nahverkehr). Ob das klappt angesichts knapper Kassen, widerstreitender Interessen und einer nicht wirklich entschiedenen Stadtpolitik „Pro Fahrrad“ wie sie in anderen Städten (Kopenhagen, London, Utrecht usw.) gang und gäbe ist?

„Nahmobilität ist ein großes Thema. Zu Fuß gehen ist aber komplett aus der Mode gekommen. Heute geht man im Durchschnitt weniger als einen Kilometer. Fahrrad fahren und per Pedes können eigentlich jede Menge der Wege ersetzen, die heute vor allem mit dem Auto gemacht werden. Sie sind im Übrigen die einzigen Fortbewegungsarten, die nicht mit Emissionen verbunden sind“, hob NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst hervor. Aus seinem Etat seien im letzten Jahr 177 Kilometer neue Fahrradwege gebaut worden. „Das ist nicht wenig, aber auch nicht genug.“

LSB-Präsident Walter Schneeloch betonte, dass auch vor dem Hintergrund einer möglichen Olympiabewerbung 2032 das Thema „Neue Mobilität“ auf die Agenda gehört. Wer will schon im Stau stehen und das 100-Meter-Finale verpassen? „Viele Entwicklungen – auch im Verkehrssektor – würden durch eine Bewerbung einen Schub erhalten.“

„Ich freue mich ja über die ersten Schritte, die eingeleitet wurden und über das Geld, das jetzt fließt. Aber ich vermisse Stringenz. Ich kann mich im Verkehr nicht sicher bewegen, obwohl ich eigentlich ein versierter Radsportler bin. Klar hat man einige Radwege farblich markiert, aber es braucht z.B. klar vom Autoverkehr abgegrenzten Raum für Menschen auf zwei Rädern“, stellte Volker Maas, Vizepräsident beim Radsportverband NRW, fest.

Die wissenschaftliche Sicht stellte Mobilitätsforscher Dr. Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin vor. Im Rahmen der Klimakrise sei der Verkehr das größte Sorgenkind. Land- und Energiewirtschaft, Industrie und Haushalte hätten seit 1990 CO2- Emissionen deutlich reduziert, nur der Verkehr hinke hinterher. Außerdem gebe es eine eklatante Flächenungerechtigkeit. Ein Auto verschlinge 61 Quadratmeter, ein Fahrrad elf und ein Fußgänger maximal weniger als einen Quadratmeter. „Bemerkenswert ist, dass 25 Prozent des Autoverkehrs unter zwei Kilometern Wegstrecke bleibt und die Hälfte unter fünf Kilometern.“ Oft seien die Bürger weiter als die Politik. Auf die Frage, „Sollte das Radwegenetz ausgebaut werden, auch wenn das bedeutet, dass Fahrspuren für Autos wegfallen“ antworteten 73 Prozent der in Essen befragten Menschen mit…“JA“!

(Quelle: DOSB-Presse, Ausgabe 29-32/Theo Düttmann)


  • Für mehr Bewegung in der Stadt braucht es eine  fahrrad- und fußgängerfreundliche Infrastruktur. Foto: picture-alliance
    Radfahrer fährt auf einem Fahrradweg. Foto: picture-alliance

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